Kostenübernahme: Gesetzlich versichert

Für gesetzlich versicherte Patienten besteht seit einigen Jahren eine massive Unterversorgung in Bezug auf Psychotherapie bei kassenzugelassenen Therapeuten. Dies führt mitunter zu einer nicht zumutbaren Wartezeit. Die Bundespsychotherapeutenkammer hält eine Wartezeit von mehr als 3 Monaten für nicht zumutbar.

Grundsätzliche Aufgabe der Krankenkassen ist es, die rechtzeitige Behandlung ihrer Versicherten zu gewährleisten. Entsprechend besagt die „Notfallregelung bei Unterversorgung“ (§13 Abs. 3 des SGB V), dass Ihre Krankenkasse bei unzumutbarer Wartezeit und gegebener Indikation die Kosten der Behandlung in einer Privatpraxis zu erstatten hat. Dieser Anspruch auf Kostenerstattung ist somit gesetzlich festgeschrieben und gilt für alle gesetzlichen Krankenkassen. Auf dieser Grundlage ist eine Kostenübernahme der psychotherapeutischen Behandlung für gesetzlich Versicherte auch in einer Privatpraxis möglich.

Zur Orientierung haben wir die wichtigsten Schritte für Sie zusammengefasst. Grundlage hierfür ist eine Empfehlung der Bundespsychotherapeutenkammer vom Mai 2017.

Sollten Ihnen diese Schritte beim ersten Lesen unübersichtlich oder unverständlich erscheinen, lassen Sie sich nicht entmutigen! In einem kostenlosen Erstgespräch stellen wir Ihnen gerne alle nötigen Formulare zur Verfügung und erklären das weitere Vorgehen in aller Ruhe. Auch im weiteren Verlauf können Sie bei der Abwicklung dieser Formalitäten mit unserer Unterstützung rechnen.

Psychotherapeutische Sprechstunde aufsuchen

Bevor Sie – mit unserer Unterstützung – einen Antrag auf Kostenerstattung stellen, sollten Sie einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde (bei einem kassenzugelassenen Therapeuten) wahrnehmen. Sollten Sie selbst keinen Termin für eine solche Sprechstunde finden, können Sie sich an die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Weitere Informationen zur TSS erhalten Sie hier: https://www.kvno.de/downloads/tss/ablauf_pp.pdf

Bitte beachten Sie, dass die TSS nicht dafür zuständig ist, Ihnen einen Therapieplatz für eine Kurz- oder Langzeittherapie zu vermitteln. Die TSS vermittelt Termine bei kassenzugelassenen Therapeuten für Sprechstunden sowie ggf. für eine Akutbehandlung.

In der psychotherapeutischen Sprechstunde erfahren Sie, wie Ihr momentaner psychischer Zustand und der Verlauf Ihrer Beschwerden einzuschätzen ist. Sollte der Therapeut zu dem Schluss kommen, dass Sie eine Therapie benötigen, er aber keine Kapazitäten hat um eine notwendige Behandlung selbst durchzuführen, erhalten Sie am Ende der Sprechstunde eine schriftliche Bescheinigung. Diese enthält eine Empfehlung für die weitere Art der Behandlung. Es kann auf dieser Bescheinigung auch festgehalten sein, dass eine „Richtlinienpsychotherapie“ notwendig und unaufschiebbar ist.

Protokoll der vergeblichen Suche nach einem zugelassenen Psychotherapeuten
Nehmen Sie im Anschluss an die Sprechstunde mit mehreren kassenzugelassenen Psychotherapeuten Kontakt auf. Erfragen Sie dort, ob innerhalb von drei Monaten der Beginn einer Richtlinienpsychotherapie möglich ist. Erhalten Sie dabei von mindestens drei bis fünf Psychotherapeuten eine Absage, können Sie sich an eine Privatpraxis wenden. Die vergebliche Suche nach einem zugelassenen Psychotherapeuten sollten Sie in einem Protokoll festhalten. Gerne lassen wir Ihnen hierzu einen Vordruck zukommen.
Bescheinigung: Privatpraxis kann Behandlung übernehmen
Wenn Sie Kontakt zu uns aufnehmen, können wir Ihnen in der Regel unmittelbar Auskunft darüber geben, ob wir aktuell freie Kapazitäten für den Beginn einer Behandlung haben. Wenn wir einen freien Platz haben, erhalten Sie von uns im Rahmen des Erstgesprächs eine Bescheinigung darüber, dass wir die Behandlung kurzfristig bzw. unmittelbar übernehmen können.
Antrag an die Krankenkasse

Im Erstgespräch klären wir noch einmal gemeinsam, ob bei Ihnen alle Voraussetzungen für die Kostenübernahme der Privatbehandlung durch Ihre Krankenkasse erfüllt sind. Ist dies der Fall, stellen Sie bei der Krankenkasse – mit unserer Unterstützung – einen „Antrag auf ambulante Psychotherapie und Kostenerstattung nach § 13 Absatz 3 SGB V“.

Dem Antrag legen wir folgendes bei:

  1. die Bescheinigung aus der Sprechstunde, dass eine psychotherapeutische Behandlung („Richtlinientherapie“) notwendig ist
  2. das Protokoll der vergeblichen Suche nach einem kassenzugelassenen Psychotherapeuten und
  3. die Bescheinigung aus unserer Privatpraxis, dass wir kurzfristig eine Behandlung übernehmen können.